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Achim von Arnim Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau
Erzählung (1818) Graf Dürande, der gute alte
Kommandant von Marseille, saß einsam frierend an einem kalt
stürmenden Oktoberabende bei dem schlecht eingerichteten Kamine
seiner prachtvollen Kommandantenwohnung und rückte immer
näher und näher zum Feuer, während die Kutschen zu
einem großen Balle in der Straße vorüberrollten und
sein Kammerdiener Basset, der zugleich sein liebster Gesellschafter
war, im Vorzimmer heftig schnarchte. «Auch im südlichen
Frankreich ist es nicht immer warm», dachte der alte Herr, und
schüttelte mit dem Kopfe, «die Menschen bleiben auch da
nicht immer jung, aber die lebhafte gesellige Bewegung nimmt so wenig
Rücksicht auf das Alter wie die Baukunst auf den Winter».
Was sollte er, der Chef aller Invaliden, die damals (während des
Siebenjährigen Krieges) die Besatzung von Marseille und seiner
Forts ausmachten, mit seinem hölzernen Beine auf dem Balle, nicht
einmal die Leutnants seines Regiments waren zum Tanze zu brauchen.
Hier am Kamine schien ihm dagegen sein hölzernes Bein höchst
brauchbar, weil er den Basset nicht wecken mochte, um den Vorrat
grüner Olivenäste, den er sich zur Seite hatte hinlegen
lassen, allmählich in die Flamme zu schieben. Ein solches Feuer
hat großen Reiz; die knisternde Flamme ist mit dem grünen
Laube wie durchflochten, halbbrennend, halbgrünend erscheinen die
Blätter wie verliebte Herzen. Auch der alte Herr dachte dabei an
Jugendglanz und vertiefte sich in den Konstruktionen jener Feuerwerke,


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