Amor und Psyche - Apuleius - Страница 1 из 52


Übertragen von Eduard Norden    
Verlegt bei Hermann Seemann Nachfolger
in Leipzig 1902     Erstes
Kapitel
Psyches Verurteilung Es war einmal in einer Stadt ein
König und eine Königin; die hatten drei schöne
Töchter. Zwar war auch der Liebreiz der beiden älteren
gross, aber doch von Menschenart, so dass Menschenzungen sie noch zu
preisen vermochten. Aber die Jüngste, die war so
wunderschön, dass es schier unmöglich wäre, mit der
Armut irdischer Sprache ein auch nur annäherndes Bild davon zu
geben. So kamen denn gar viele Jünglinge von nah und fern herbei,
neugierig gemacht durch die Erzählungen von dem Wunderwerk; ganz
versunken in Staunen ob solch übermenschlicher Herrlichkeit
beugten sie vor ihr, als wäre sie die Göttin Venus, zum
Zeichen ihrer Adoration die Kniee. Schon verbreitete sich durch die
benachbarten Städte und Reiche die Kunde, dass die Göttin,
die der dunkle Schoss der Meerestiefe geboren und der Tau der
schäumenden Wogen genährt, jetzt das Anschauen ihrer
Majestät in der Fülle ihrer Gnaden allgemein gewähre
und inmitten der Menschen wandle; andre glaubten, dass, wie einst das
Meer, so jetzt die Erde, von frischem Himmelstau befruchtet worden und
ihrem Schoss eine neue Venus entstiegen sei, die jetzt in der Pracht
jungfräulicher Blüten prange. So verbreitete sich von Tag zu
Tag ihr Ruf und wanderte über Land und Meer in 5 weite Fernen.


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