Geschichten aus den Bergen - Arthur Achleitner - Страница 1 из 575


    Leipzig
Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.
[vor 1913] Mitten im Glück. Nicht weit vom
Dorfe mit dem kühn aufragenden spitzen Kirchturm, umfriedet von
einem Ziergärtchen steht das Forsthaus, dessen Stirnseite ein
mächtiges Hirschgeweih und der Spruch ziert: »Das ist
des Jägers Ehrenschild,
Der treu beschützt und hegt das Wild,
Waidmännisch jagt wie sich's gehört,
Den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.« Wilder
Wein rankt sich an den Latten empor zu den Fenstern, von denen aus man
einen entzückenden Anblick auf die wuchtigen Felsmassen der
gigantischen Zugspitze und die Schrofen und Wände des
Wettersteingebirges genießt. Levkojen und Bergnelken nicken mit
ihren leuchtenden Köpfchen von den Fenstern herab und zwischen
durch ist gar oft das Blumengesichtchen der schönen
Försterstochter zu erblicken, wenn's »Regerl mit die
nußbraunen Haar« mit emsiger Nadel Stich auf Stich
arbeitet. Ein Prachtmädel ist die Försterstochter, schlank
mit weichen, runden und vollen Formen, die das silberbehangene, reich
verschnürte Mieder knapp umschließt, die schweren braunen
Flechten zierlich geflochten um das Engelsköpfchen, aus dessen
Rehaugen schelmisches Feuer strahlt. Öffnen sich die frischen
Kirschenlippen, dann lachen einem schneeweiße Zähne
entgegen und silberhell klingt des Mädchens wohllautende Stimme.
Klein und niedlich sind Hände und Füße, aber die


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