Auf der Höhe - Band 3 - Berthold Auerbach - Страница 1 из 237


Spätsommer, als der Hof aus dem Seebad zurückkehrte. Als
erste Regierungshandlung mußte der König jetzt den
Erlaß unterzeichnen, mit welchem das Ministerium Schnabelsdorf
das widerspenstige Abgeordnetenhaus auflöste und Neuwahlen
anordnete. Der König war mißmutig, denn er mußte
eine Folgehandlung vollziehen, die ihn jetzt überraschte. Er war
so froh belebt aus dem Bade zurückgekehrt und nun kam der Staat
mit seinen Ansprüchen, wie ein unbefriedigter Gläubiger.
Der König freute sich der Zufriedenheit und allgemeinen
Zustimmung seines Volkes, aber diese Zustimmung sollte eine
selbstverständliche sein; jetzt wurde eine große Frage an
das Land gerichtet und es war zweifelhaft, wie die Antwort lauten
würde. Die ausgiebige Unterhaltungskunst Schnabelsdorfs, ja
die geschickte Betonung des Heroischen im Grundcharakter des
Königs begegnete nur hoher Mißlaune. Im ganzen Lande
war große Bewegung. Man merkte indes am Hofe wenig davon; die
Herbstmanöver hatten begonnen und auf die nächsten Tage,
nachdem der Hof noch einmal auf die Sommerburg übergesiedelt, war
die Jagd im Hochgebirge angesetzt. Der König bethätigte
eine ungewöhnlich lebhafte Teilnahme an den Manövern. Die
Fügsamkeit der geschlossenen Massen und ihre exakte Lenkung
bildete einen haltvollen Gegensatz zu einer gewissen Zerfahrenheit und
Auflösung im Lande. Man war aber natürlich weit entfernt,
nur an die Möglichkeit zu denken, diese Gegensätze


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