Kater Martinchen - Ernst Moritz Arndt - Страница 1 из 190


vorpommersche Sagen Geschichte von den sieben bunten
Mäusen Vor langer, langer Zeit wohnte in Puddemin ein Bauer,
der hatte eine schöne und fromme Frau, die fleißig betete
und alle Sonntage und Festtage zur Kirche ging, auch den Armen, die
vor ihre Türe kamen, gern gab. Es war überhaupt eine
freundliche und mitleidige Seele und im ganzen Dorfe und Kirchspiele
von allen Leuten geliebt. Nie hat man ein hartes Wort von ihr
gehört, noch ist ein Fluch und Schwur oder andere Ungebühr
je aus ihrem Munde gegangen. Diese Frau hatte sieben Kinder, lauter
kleine Dirnen, von welchen die älteste zwölf und die
jüngste zwei Jahr alt war: hübsche, lustige Dingelchen.
Diese gingen alle übereins gekleidet, mit bunten Röckchen
und bunten Schürzen und roten Mützchen; Schuhe aber und
Strümpfe hatten sie nicht an, denn das hätte zuviel
gekostet, sondern gingen barfuß. Die Mutter hielt sie nett und
reinlich, wusch und kämmte sie morgens früh und abends
spät, wann sie aufstanden und zu Bett gingen, lehrte sie lesen
und singen und erzog sie in aller Freundlichkeit und Gottesfurcht.
Wann sie auf dem Felde was zu tun hatte oder weit ausgehen
mußte, stellte sie die älteste, welche Barbara hieß,
über die andern; diese mußte auf sie sehen, ihnen was
erzählen, auch wohl etwas vorlesen. Nun begab es sich einmal,
daß ein hoher Festtag war (ich glaube, es war der Karfreitag),
da ging die Bauerfrau mit ihrem Manne zur Kirche und sagte den


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