Der Maskenball in der Ca' Torcelli - Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem - Страница 1 из 304


Ca' Torcelli Roman
»Angelo!« Keine Antwort. Draußen flimmerte und
schimmerte der glorreiche Spätsommersonnenschein auf dem breiten
Wasserstrom des Kanals Grande und überzog die ihn
einsäumenden Paläste mit dem eigentümlichen, silbernen,
schleierartigen Licht, das man nur in Venedig sieht und ganz besonders
auffallend um die Mittagsstunden beobachten kann. Mit leisem, kaum
hörbarem Ruderschlag zogen Gondeln und Barken den Kanal herauf
und herab; dann und wann schnob und pustete ein Motorboot vorbei,
ertönte ein Zuruf sich begegnender Ruderer, und das war das ganze
Geräusch der Großstadt Venedig, das der Fremde, in dessen
gemarterten Ohren der Höllenlärm seiner Städte
widerhallt, als die Totenstille empfindet, die ihn glauben
läßt, daß die ehemalige Königin der Meere eine
tote Stadt wäre, die ihrem Untergang entgegensähe. Die
leichte Seebrise, die wie eine leis streichelnde Hand über den
Kanal wehte, flüsterte in den Weiden, Zypressen, Steineichen,
Hex- und Lorbeerbäumen, deren wunderbar frisches Grün die
hohe, lanzenförmig gezinnte Mauer des Gartens am Palazzo Torcelli
dal Giglio überragte; sie raunte leiser noch in den Ranken der
wilden, virginischen Weinrebe, die an der Gartenseite den Palast bis
hinauf zu den Spitzbogenfenstern des zweiten Stockwerkes überzog.
An einem dieser Fenster, hinter der halb zugestellten Markise


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