Die Falkner vom Falkenhof. Zweiter Band. - Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem - Страница 1 из 277


Falkner vom Falkenhof

Roman von
Euf. v. Adlersfeld-Ballestrem

Fünfundzwanzigste Auflage

Zweiter Band

Verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig


Alle Rechte vorbehalten

Gedruckt 1922 in der Druckerei von Philipp Reclam jun.
Leipzig




Dolores hatte in der letzten Nacht schwere, seltsame Träume. Ihr träumte,
sie müßte gegen dichte wogende Nebel ankämpfen in kalter Nacht auf einem
unebnen, steinigen Wege, dessen scharfe Kanten ihre Füße verletzten.
Endlich aber stand sie vor einer undurchdringlich grauen Wand -- sie wußte
nicht, war's Nebel, war's ein Felsen, der den Weg versperrte. Rechts und
links gähnten tiefe Abgründe, die ins Unendliche zu führen schienen, und
als sie sich wendete, um zurück zu gehen, da hatte ein rauschender Strom
den Weg überschwemmt oder fortgerissen, so daß sie verloren schien. Und
in der furchtbaren Angst, die sie befiel, klopfte sie an den Felsen wie an
eine Thür. Und siehe da -- die kahle graue Wand schien sich auseinander zu
schieben, die Nebel schienen zu zerreißen, dünner und dünner zu werden,
und endlich sah sie durch die Wand hindurch, und sah -- sich in ihrem
eignen Zimmer sitzen. Aber sie war nicht allein. Ihr gegenüber hatte
Doktor Ruß Platz genommen. Der sprach eifrig in sie hinein -- sie hörte
den musikalischen Ton seiner Stimme, aber sie verstand seine Worte nicht.
Und er schob ein auf großem, weißem Bogen entworfenes Schriftstück auf
dem Tisch zu ihr hinüber und sie sah, wie sie selbst das Dokument ergriff,


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