Bruchstücke aus den Memoiren des Chevalier von Roquesant - Grethe Auer - Страница 1 из 445


des Chevalier von Roquesant Herausgegeben und geordnet von Grethe
Auer Erster Teil 1 Ich kann
nicht, wie so mancher andre es tut, meine Memoiren mit der
Aufzählung vorväterlicher Herrlichkeiten und Heldentaten
beginnen. Selbst von meinem Vater weiß ich nur, daß er ein
verarmter und zu seinem Glücke mit Ruhm gefallener bretonischer
Edelmann war, dessen Tod die ganze Erbschaft an Gütern und Ehren
darstellte, die er seinem einzigen Sohne hinterließ. Die
Erinnerungen an meine früheste Jugend bieten nur Bilder
drückender Armut auf einem halbverfallenen Edelhofe, dazwischen
einige holdere von heimlichen Streifzügen durch rotblühendes
Heideland und Brombeergebüsch. Vergeblich suche ich
rückschauend in diesen Erinnerungen nach einer Frauengestalt; nur
rauhe Knechte haben mich erzogen. Mein besseres Leben begann erst, als
mein Vater, den ich auch nicht häufig sah, die Klugheit hatte,
sich neben Turenne und vielleicht von derselben Kanonenkugel
töten zu lassen, und die Milde des allerchristlichsten
Königs mich vor dem Schicksale manches herabgekommenen
Landjunkers bewahrte, das da war, als geduldeter Kostgänger
seiner leibeigenen Bauern in Trägheit und Unwissenheit zu
verderben. Das Todesverdienst meines Vaters machte mich zum
Schützling Ludwigs des Großen, zum Zögling seiner
neugegründeten Schule und zum Erben getragener
Prunkgewänder fürstlicher Knaben. Ich war zehn Jahre alt,


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