Bilderbuch ohne Bilder - Hans Christian Andersen - Страница 1 из 49


fühle, ist es, als ob mir Hände und Zunge gebunden
wären; ich kann es nicht so wiedergeben, nicht so aussprechen,
wie es in mir lebendig ist; und doch bin ich Maler, das sagt mir mein
Auge, das haben alle anerkannt, welche meine Skizzen und Bilder sahen.
Ich bin ein armer Bursche, ich wohne drüben in einer der
engsten Gassen, aber das Licht fehlt mir nicht, denn ich wohne hoch
droben, mit der Aussicht über alle Dächer. Die ersten Tage,
als ich in die Stadt hereingekommen, war es mir so eng und einsam;
statt des Waldes und der grünen Hügel hatte ich jetzt nur
die grauen Schornsteine als Horizont. Nicht einen Freund besaß
ich hier, nicht ein bekanntes Gesicht grüßte mich.
Eines Abends stand ich recht betrübt an meinem Fenster, ich
öffnete es und sah hinaus. Nein, wie ich da froh wurde! Ich sah
ein Gesicht, das ich kannte, ein rundes, freundliches Gesicht, meinen
besten Freund von fern aus der Heimat: es war der Mond, der liebe,
alte Mond, unverändert derselbe, gerade wie er aussah, als er
dort zwischen den Weiden am Moor zu mir hereinschaute. Ich warf ihm
Kußhände zu und er schien gerade in mein Zimmer herein und
versprach, daß er jeden Abend, wenn er ausgehe, ein wenig zu
mir hereinsehen wolle; das hat er auch seitdem ehrlich gehalten.
Schade, daß er nur so kurz bleiben kann. Jedesmal, wenn er
kommt, erzählt er mir das eine und andre, was er die Nacht zuvor
oder am selben Abend gesehen. »Male nun das, was ich


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