Iwein - Hartmann von Aue - Страница 1 из 302


  Seiner verehrten Freundin der Frau Geheimenräthin
von Lüttichenau geb. von Knobelsdorf  
treuergebenst zugeeignet          
                   
          vom Verfasser  
Vorrede. Ich übergebe meinen Lesern die vorliegende Arbeit
mit der Scheu, die etwa ein Zeichner empfinden wird, der sich an die
Copie eines alten Gemäldes in hellen Farben auf Goldgrund gewagt
hat; die Innigkeit und Zartheit des Colorits werden ihm für den
Stift unerreichbar dünken, und der Farbenreiz des Originals durch
Treue des Umrisses nicht zu ersetzen. Dennoch halte ich den Versuch
einer Uebertragung des Iwein in unser modernes Deutsch für nicht
minder statthaft, als eben die Uebersetzung eines Bildes durch den
Stich, und hoffe daß sie Manchem willkommen sein möge, der
nicht Muße hat das Gedicht in der alten Form zu lesen. Ich habe
wohl mitunter die Behauptung aufstellen hören, die
mittelalterlichen Helden- und Rittergedichte seien für einen
geübten Vorleser ohne viele Umstände in ihrer alten Sprache
verständlich vorzutragen: das mag mit den Nibelungen möglich
sein, wenn auch immer nur auf Kosten der Einheit und Harmonie des
Textes; mit dem Parcival und Iwein ließe sich ein solcher
Versuch gewiß nicht ausführen. Wie leicht die Sprache und
Construction des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts auf
Glatteis führen, davon wird sich jeder kundige Leser bald


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