Einsam - Juhani Aho - Страница 1 из 119


und die Uhr ging auf zwölf. Man war den ganzen Abend einsilbig
gewesen, und was gesagt wurde, war ohne Inhalt. Die Unterhaltung war
mehr und mehr versiegt und drohte, ganz ins Stocken zu geraten. Wenn
das Rollen einer auf der Straße vorüberfahrenden Droschke,
das auf Minuten die Stille unterbrochen hatte, in der Ferne erklang,
hörte man nichts mehr als den wehmütig singenden Ton der
Lampenflamme. Ich sah, wie Anna heimlich ein Gähnen hinter
der Hand verbarg. Der Bruder, der mit langausgestreckten Beinen im
Schaukelstuhl lag, gähnte ganz unverhohlen, – wir waren
nämlich alte Freunde. Ich konnte nicht länger sitzenbleiben,
obwohl ich meine Blicke gern noch eine Weile von meinem Platz unter
dem Halbschatten eines Lampenschirmes dorthin gerichtet hätte, wo
sie, von dem Licht der Lampe beschienen, über ihre Arbeit gebeugt
saß. Jetzt legte sie das Nähzeug auf den Tisch und schien
im Begriff, sich erheben zu wollen. Ich war ihr zuvorgekommen, nahm
meinen Hut, der auf dem Klavier lag, und verbeugte mich vor der
Mutter. »Gehen Sie schon?« fragte diese, streckte
aber doch ihre Hand aus. »Es wird Zeit«, sagte ich,
und ich besaß nicht Stolz genug, um den niedergeschlagenen Ton
meiner Stimme zu dämpfen, obwohl ich fühlte, daß ich
es hätte tun müssen. »Nun, dann leben Sie wohl,
und glückliche Reise!« Und dann wünschte sie mir noch
Glück und Wohlergehen und hieß mich viele neue Gedanken mit


-10     пред. Страница 1 из 119 след.     +10