Das Haus - Lou Andreas-Salomé - Страница 1 из 297


überblickte die Stadt im Tal und langgestreckte Höhen
jenseits davon. Von der Landstraße, die sich in großem
Bogen den Bergwald hinaufwand, trat man gleich ins mittlere Stockwerk
ein wie zu ebner Erde: so tief dem Berg eingebaut hatte das kleine
weiße Haus sich. Auf ihn gestützt aber sah es nach dem
abfallenden Garten zu um so freier hinaus über die Weite; mit
sehr vielen hellen Fensteraugen bis tief hinab, mit keck
vorspringenden Erkern, Ausbauungen der ursprünglich zuwenig
umfangreichen Gemächer, was ihm freilich eine etwas wunderliche
Architektur, doch auch Anmut und Leichtigkeit verlieh – fast,
als raste es da nur. Über dem mittleren Erker schob sich zu
oberst ein Altan breit vor ins baumbepflanzte, winterliche Gartenland,
das eine Steinmauer, alt und bemoost, umschloß. Die
Altantür stand trotz der frühen Morgenstunde schon weit
geöffnet. Auf der Schwelle, das Gesäß vorsichtig ins
warme Zimmer gedrückt, saß eine bejahrte kleine Hündin
und blinzelte schläfrig nach den ab und zu schwirrenden hungrigen
Vögeln, wie ein verwöhntes Hauskind sich bettelndes
Gassenvolk betrachtet. In ihr selbst hatten sich zwar die
verschiedensten Hundegeschlechter ein nichts weniger als
aristokratisches Stelldichein gegeben, wie ihr Dackelgebein, ihr
Mopsrumpf und ihr Terrierkopf verrieten – eine Vielseitigkeit,
die noch vervollständigt wurde durch ein ferkelhaftes
Ringelschwänzchen an ihrem anderen Ende. Weitaus das


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