Gedichte - Ludwig Anzengruber - Страница 1 из 74


Gedichte weder für eine besondere Buch-, noch für diese
Gesamtausgabe durchgesehen und geordnet. Wir waren deshalb
bemüßigt, die vorliegende Auswahl nach unserem eigenen
Ermessen zu treffen. Von den ungedruckten Gedichten der ersten
Periode (1859–1863) haben wir außer den in der Einleitung
mitgeteilten, biographisch bedeutsamen, nur zwei aufgenommen, welche
Anzengruber selbst, wie er uns gelegentlich sagte, bemerkenswert
erschienen. Dem »Lied vom Leiden« hat er 1867 wohl noch
die erste Stelle in den »Gedichten« zugedacht;
späterhin, 1884, nannte er es jedoch ein »gutgemeintes,
aber minder gelungenes Opus«, aus welchem deshalb nur die
folgenden zwei bezeichnenden Strophen herausgehoben sein mögen:
O Leid, so allgewaltig du,
Das in Palast und Hütte wohnt
Und jeden trifft und keinen schont,
Du nahest dich und trittst herzu.
Ob überrascht, ob schon bereit,
Du bist doch Leid und bleibst doch Leid,
Bleibst doch Leid! Ja, Leid, du allgewalt'ge Macht,
Der Mensch bleibt stets von dir bedroht
Von Schmerz, von Neid, von Sorg', von Not.
Das Menschenherz aus seiner Nacht
Erweckst du, machst es groß und weit,
So hat sein Gutes auch das Leid,
Ja, das Leid! Dagegen glaubten wir die Gedichte, welche
Anzengruber seit dem Jahr 1870 in Zeitschriften, Kalendern, teilweise
auch in dem Sammelbande »Kleiner Markt. Novellen, Skizzen und


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