Die Fahrten Binjamins des Dritten - Schalom Jakob Abramowitsch - Страница 1 из 112


überkommen hat Alle meine Tage – so erzählt uns
Binjamin der Dritte selber –, nämlich bis zu meiner grossen
Reise, habe ich in Tunejadowka verbracht. Dort bin ich geboren, dort
bin ich erzogen worden und dort habe ich mein frommes Weib, die Frau
Selde, sie soll leben, geheiratet. Das Städtchen Tunejadowka ist
ein verlorenes Nest, abseits von der Poststraße und von der Welt
dermaßen abgeschnitten, daß, wenn es sich einmal ereignet
und einer kommt dorthin angereist, sich Türen und Fenster
öffnen, um den Ankömmling zu bestaunen. Die Nachbarn
befragen einander dann, zum Fenster hinausgebeugt: Ha, wer mag das
wohl sein? Woher ist der so plötzlich aus heiler Haut hier
aufgetaucht? Was mag so einer hier suchen? Steckt nicht irgendeine
Absicht dahinter? Es kann doch nicht sein, daß man einfach sich
aufmacht und hierher reist! Sicherlich ist etwas dabei, das
ergründet werden muß. Jeder will dabei seine Weisheit,
seine Weltläufigkeit erweisen, unzählige aus der Tiefe des
Gemüts geschöpfte Vermutungen lassen sich vernehmen; alte
Leute erzählen Geschichten und Fabeln von Reisenden, die in dem
und dem Jahr angekommen waren, Witzbolde machen darüber nicht
eben anständige Späße, die Männer streicheln ihre
Bärte und lächeln dazu, die alten Weiber weisen sie
scheinbar zurecht, indem sie sie anschreien und zugleich lachen, junge
Frauen entsenden einen schalkhaften Blick aus gesenkten Augen, halten


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