Fischke der Krumme - Schalom Jakob Abramowitsch - Страница 1 из 245


zum erstenmal gedruckten Schriften vor die Welt tritt »Wie
ist Euer Name?« Das ist die erste Frage, die ein Jude einem
Wildfremden gleich bei der ersten Begegnung stellt, sobald er ihm
Willkommen gesagt hat. Niemandem fällt es dabei ein, daß
man dagegen zum Beispiel antworten könnte: »Was liegt Euch
denn so sehr daran, zu wissen, wie ich heiße, Herr Gevatter?
Wollen wir denn unsere Kinder miteinander verheiraten? Ich heiße
so, wie man mich nannte, und nun laßt mich in Ruhe!« Nein,
im Gegenteil, die Frage nach dem Namen ist etwas ganz
Natürliches, das liegt schon so in der Sache, gerade so wie man
den neuen Rock eines andern befühlt und dabei fragt: »Wie
teuer? Was kostet die Elle?« Oder so wie man unaufgefordert eine
Zigarette nimmt, wenn jemand seine Büchse öffnet. Oder so
wie man seine Finger in eine fremde Schnupftabakdose steckt und sich
eine Prise nimmt. Oder so wie man den Fuß in die Wanne eines
andern steckt, sein schmieriges Tüchlein dort eintunkt und sich
den Körper einreibt. Oder so wie man verstohlen in ein fremdes
Machser hineinschaut und aus Anstand schnell umblättert,
während der Besitzer die Worte des Gebetes noch gar nicht recht
begriffen hat. Oder so wie man hinzutritt, wenn sich zwei Leute
unterhalten, sein Ohr hinhält und sich ihr Gespräch
anhört. Oder so wie man jemanden urplötzlich und unerwartet
nach seinen Geschäften fragt und sich ihm mit Ratschlägen


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