Skizzen - Victor Auburtin - Страница 1 из 53


lehnen zwei junge Leute, ein junger Mann und ein junges Fräulein.
Sie erzählen sich Witze und lachen und stoßen sich in die
Seiten. Dann beschäftigen sie sich eine Weile damit, daß
sie gleichzeitig in den Hof hinunterspucken und nachsehen, wessen
Spucke zuerst unten ankommt. Aus alledem erkennt man, daß die
zwei jungen Leute sich lieben. Denn die Liebe des Menschengeschlechts
ist töricht. Das hat sich schon bei der ersten Liebesszene der
Welt gezeigt, bei Adam und Eva, die sich mit ihrem Apfel so albern wie
nur möglich aufgeführt haben. Unten im Hofe sitzen zwei
Katzen sich einander gegenüber. Das eine ist der Kater des
Portiers, das andere die Katze des Bäckermeisters von nebenan,
und das ganze Haus weiß, daß die beiden ein
Verhältnis miteinander haben. Aber wie anständig benehmen
diese Tiere sich dabei. Ihre Liebe besteht darin, daß sie seit
zwei Stunden sich gegenüber sitzen und sich unverwandt in die
Augen sehen.   Nun erscheint auf dem Hofe ein Leiermann. Er
stellt seinen Kasten auf, beginnt zu drehen und spielt die Arie aus
dem Troubadour: »Schon naht die Todesstunde«. Kaum haben
die beiden jungen Leute da oben die ersten Klänge dieser Arie
gehört, so erheben sie sich, schließen das Fenster und
ziehen die Vorhänge zu. Auch die weibliche Katze scheint durch
die Musik irgendwie sinnlich erregt worden zu sein. Sie steht auf,
streckt sich und geht langsam zu dem Kater hin; aber der haut ihr mit


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