Cabanis - Willibald Alexis - Страница 1 из 556


Erinnerungen aus meinen Kinderjahren reichen weit zurück. Ich
habe keine frohe Jugendzeit verlebt; mitten aus dem Kreise meiner
Kinderspiele wuchs mein Schicksal auf, und während ich noch zu
spielen wähnte, hatte mich seine eiserne Hand gefaßt und
den Knaben hinausgeschleudert aus dem Vaterhause in den Strudel des
Lebens. Besonders deutlich entsinne ich auch eines Vorfalls aus meinem
neunten Jahre, weil ich in dem an sich unbedeutenden Ereignis den
ersten Quell zu der seltsamen Wendung meiner Lebensgeschichte suchen
muß. Als wäre es heute erst geschehen, so sehe ich noch
die Straße, die Häuser, die Gesichter, die aus den Fenstern
blickten, die rauchenden Schornsteine. – Es war eine der
Straßen von Berlin, welche erst unter dem vorigen Regenten
fertig gebaut wurden. Wir spielten Murmel, eine bei unserer
Schuljugend von alters her beliebte Lustbarkeit. Auf das strengste
wird der Spieler beobachtet und um den Gewinn einiger Kügelchen
oft Angstschweiß vergossen. Es herrscht eine Totenstille, und
erst wenn ein glücklicher Wurf entscheidet, bricht der
langverhaltene Knabenjubel los, der sich dann nicht immer mit
Schimpfreden begnügte. Nicht selten kam es zu jenen kleinen
Kriegen, die alle Lustigkeit beenden und doch auch wieder die
Würze derselben werden. Der Knabenhaß gegen einen langen
Schlagetot, von dem ich oder mein Freund blaue Flecke aufzuweisen
hatten, wurde mit Ernst gehegt. Ich hatte von meinem älteren


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