Der falsche Woldemar - Willibald Alexis - Страница 1 из 917


Zeiten. Um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts sah es traurig
aus zwischen Elbe und Oder. Der Herr, der Himmel und Erde geschaffen,
hat den Sonnenschein verschieden ausgetheilt über die
Länder; aber dorthin, wo die deutsche Zunge ausgeht, und die
slavische anfängt, fiel die Spende seines Sonnenlichtes
kärglich aus. Es hatte nicht Macht, die Sümpfe
auszutrocknen, die das Meer zurückließ, noch zu
durchglühen die dichten, starren Wälder, noch zu wärmen
den Boden, daß er die Geschlechter der Menschen freiwillig
ernähre, welche der Strom der Völker dahin verschlug. Diesen
Geschlechtern selbst hat der Herr die Aufgabe gestellt, daß sie
mit der Natur ringen. Sie sollen den Boden im Kampf mit den
Stürmen und Gewässern selber sich machen, der warmen Sonne
einen Teppich ausbreiten, drauf sie mit Lust weilen, und ein Land sich
schaffen, das ihnen lieb wäre, und den andern ein froher Anblick.
Das war eine harte Aufgabe; und, wie viele Jahrhunderte
darüber verstrichen, sie ist selbst heute noch nicht zu Ende.
Noch immer müssen sie fortarbeiten im Schweiß ihres
Angesichts, daß sie den Sand bändigen und festigen, den der
Wind unter der Pflugschar fortweht; und es ist nicht mit der Arbeit
gethan, die der Arm verrichtet und lenkt; denn dadurch wird die
träge Natur nicht zum Leben bewältigt, noch die Sonne
gezwungen, daß sie heller scheine auf das errungene Land. Die
saure Arbeit ruft den Geist um Beistand auf, daß er erfinderisch


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