Katzengeschichten - Alfred Edmund Brehm - Страница 1 из 16


Zeitlang im Besitz einer Falbkatze, habe mich aber vergeblich
bemüht, ihr nur einigermaßen die Wildheit
abzugewöhnen, die sie zeigte. Das Tier war in den Steppen
Ostsudans alt gefangen worden und wurde mir in einem Käfig
gebracht, der schon durch seine außerordentliche Festigkeit
zeigte, daß man ein bedenkliches Raubtier in ihm verwahre. Ich
habe die Katze niemals aus diesem Käfig nehmen dürfen, weil
sie überhaupt nicht gestattete, daß man ihr irgendwie sich
näherte. Sobald man an sie herankam, fauchte und tobte sie wie
unsinnig und bemühte sich nach Kräften, Unheil anzurichten.
Strafen fruchteten nichts. In unseren Tiergärten habe ich die
Falbkatze nur ein einziges Mal gesehen, und zwar in London. Die beiden
Tiere, die man dort geraume Zeit hielt, stammten aus Palästina
und mochten wohl jung aus dem Lager genommen worden sein, weil sie so
gesittet und ruhig sich betrugen, wie man dies von einer Wildkatze
überhaupt erwarten kann. Außerordentlich wichtig zur
Begründung der Ansicht, daß die Falbkatze die Stammutter
unserer Hauskatze ist, sind Beobachtungen, die Schweinfurth im Lande
der Njamnjam machte. Nach mündlichen Mitteilungen des
berühmten Reisenden kommt die Falbkatze hier häufiger vor
als in irgendeinem bis jetzt bekannten Teil Afrikas, so daß man
also das tiefe Innere des Erdteils als das eigentliche Vaterland oder
den Kernpunkt des Verbreitungskreises unseres Tieres ansehen
muß. Die Njamnjam nun besitzen die Hauskatze im eigentlichen


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