Bruders Bekenntnis - Alice Berend - Страница 1 из 195


Alice Berend Erstes
Kapitel (Beginnt mit einer nachdenklichen Betrachtung,
über die sich streiten läßt) Nicht jeder
kann ein Mensch sein. Möchte es nicht einmal. Ich selbst habe es
mir nie gewünscht. Vielleicht, weil ich mein ganzes Leben mit
Menschen verbracht habe. Geliebkost oder mit Füßen
getreten. Unbeachtet unter Tisch oder Sofa, je nach ihrer Laune.
Nicht, daß ich sie hassen lernte. Nur bedauern. Mitleid aber
führt zur Liebe. Manches lernte ich ihnen ab. Vieles
hätte ich sie zu lehren gewünscht. Ihr Hochmut verhinderte
dies. Aber noch heut, grau geworden an Brust und Schnauze,
bekümmert mich dies. Betrübt es mich, daß sie es nicht
aufgeben, vom ersten Atemzug an nur für das Später zu
sorgen, zu opfern. Alles zu erforschen suchen, nur nie die Stunde, in
der sie leben. Der Sprung durch den Augenblick, verständen sie
ihn noch, sie würden vor Jubelgebraus wenigstens wieder lernen,
mit den Ohren zu wackeln. Da sie nicht mehr den ausdrucksvollen
Körperteil zu eigen haben, der uns aller Schwierigkeiten
verschiedener Sprachen enthebt, uns ohne Grammatik überall
Verständigung finden läßt. Besonders
einstmals bedachte ich dies. Damals, als mein geliebter Herr vier
lebendige und zwei tote Sprachen erlernen mußte. Zu einer Zeit,
als sich unsre Muskeln streckten und reckten und wir beide am liebsten


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