Die Bräutigame der Babette Bomberling - Alice Berend - Страница 1 из 140


Alice Berend S. Fischer, Verlag, Berlin
(1915) Der Mensch hat's nicht leicht. Das
einfachste Tier hat es besser. Wenn sich zwei Esel begegnen,
weiß jeder von ihnen sofort, daß er einen Esel getroffen
hat. Stehn sich zwei Menschen gegenüber, wissen sie noch lange
nicht, wen sie vor sich haben. Sie ahnen nicht einmal, ob sie ihren
rechten Handschuh in den rechten Handschuh des andern legen
dürfen. Denn selbst ein Name spricht selten genug. Erst
am Beruf erkennt ein guter Bürger den andern. Erst wenn man
erfahren hat, womit sich der liebe Nächste, mehr oder weniger,
steuerpflichtig macht, kann man die innere Sicherheit finden, die
jedes positive Wissen verleiht. Aufs Ungewisse von jedem
Mitmenschen das Beste zu glauben, ehrt einen. Man soll es sogar. Aber
man stößt dabei auf Überraschungen. Und
Überraschungen sind selten angenehm. Niemanden wird es
beglücken, wenn sich im Theater der nette, rundliche Herr
Nachbar, den man für einen gediegenen Rentier hielt, unvermutet
als Sargfabrikant en gros und en detail vorstellt. Ohne Entzücken
streift man nun die Eleganz seiner vollen, lächelnden Gattin, die
der lebendigste Beweis für das Blühen seines 6
Geschäftes ist. Auch wenn es der Freundliche uns nicht noch vor
dem Wiederaufgehen des Vorhangs zuraunte, wir ahnten es, daß
sein Umsatz von Jahr zu Jahr steigt. Man soll dem ehrlichen Wirken
seines Nächsten das reichste Gedeihen


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