Trudchens Heirat - Berta Behrens - Страница 1 из 226


ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte! Eine Erbschaft ist mir
immer als das Ziel meiner Wünsche erschienen, aber wie mit jedem
Dinge im menschlichen Leben – alles mit Unterschied. Franz,
wirklich, du tust mir leid! Da hast du nun etwas Ererbtes am Halse, an
das du nie gedacht hast. Ein sogenanntes Gut, ein paar hundert Morgen
Äckerchen und Wiesen, etwas Wald, einen verwilderten Garten, ein
vernachlässigtes Wohnhaus, als Inventar vier gallige, spatlahme
Andalusier, sechs spindeldürre Kühe und eine Tante als
Hauptsache, die das Gallige und Spindeldürre in ihrer angenehmen
Persönlichkeit zu vereinigen scheint. – Menschenkind, so
ringe doch wenigstens die Hände oder schimpfe, oder tue irgend
etwas dergleichen, aber stehe nicht so einher wie die stumme
Verzweiflung selbst!« Amtsrichter Weishaupt sprach diese
Worte im komischen Zorn zu seinem gegenübersitzenden Freund, dem
Assessor Linden. Vor ihnen auf dem Tische stand eine Rheinweinflasche
nebst Gläsern, und auf dieser bereits geleerten Flasche hafteten
6 die Augen des Angeredeten mit nachdenklichem Ausdruck, als
könne er von dem Etikett eine Antwort ablesen. Es war ein
großes Zimmer, in dem sich die beiden befanden, eine Art
Gartensaal, unendlich altmodisch und einfach ausgestattet mit zwei
birkenen Eckschränken, wie sie zu Großmutterzeiten die
jetzigen vornehmen Kredenztische vertraten und anstatt kostbarer
Majoliken die vergoldeten buntbemalten Porzellantassen hinter ihren


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