Absaloms Haar - Bjørnstjerne Bjørnson - Страница 1 из 149


führte nicht mehr sein flottes, von jeglicher Kritik
unbehelligtes Junggesellenleben. Man sah seinen Lustkutter des Sommers
nicht mehr an der Küste, seine Winterreisen nach England und nach
dem Süden hatten aufgehört; ja, man begegnete ihm nur noch
selten in seinem Klub in Kristiania. Auch füllte seine
Riesengestalt nicht mehr wie in alten Zeilen die Türöffnung
aus. Obeinig war er stets gewesen, aber der Winkel war
größer geworden. Auch die Herkuleslinie des Rückens
war jetzt rund, und er ging gebeugt. Seine Stirn war eine der
breitesten gewesen; keines andern Hut paßte für seinen
Kopf. Jetzt war sie auch eine der höchsten. Er hatte nämlich
kein Haar mehr, außer einem kleinen Büschel an den Ohren
und einem dünnen Kranz im Nacken. Jetzt ergriff er das
Branntweinglas gewöhnlich mit beiden Händen – sie
zitterten ihm. Selbst die Zähne, die klein aber stark und von
Tabak geschwärzt waren, fingen an auszufallen. Er war stets mit
halb geschlossenen Händen gegangen, als hielten sie etwas fest;
jetzt krümmten sie sich, sie konnten sich nicht mehr ganz
ausstrecken. Den kleinen Finger an der Linken hatte ihm ein Riese, den
er zu Boden streckte, aus Dankbarkeit abgebissen. Kaas erzählte
das Ereignis so, daß er den Burschen gezwungen habe, ihn gleich
darauf zu verschlingen. Jetzt war es seine
Lieblingsbeschäftigung, den Stummel zu streicheln. Oft ward dies
die Einleitung zu Erzählungen von seinen Heldentaten, die


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