Der Brautmarsch - Bjørnstjerne Bjørnson - Страница 1 из 85


größeren Gebirgstäler Norwegens ein Spielmann, der
später bis zu einem gewissen Grade in die Volkssage
übergegangen ist. Eine Menge Melodien und Märsche wurden ihm
zugeschrieben, einige davon hatte er der Sage nach von den
Unterirdischen gehört, eine Melodie vom Teufel selber, eine
andere hatte er gemacht, um sein Leben zu retten usw. Einer seiner
Märsche ist vor allen berühmt geworden; denn die Geschichte
dieses Stückes endete nicht mit seinem Leben, sondern fing
eigentlich erst hinterher recht an. Der Spielmann Ole Haugen, ein
armer Häusler, hoch oben unter der Felswand, hatte eine Tochter,
Aslaug, die seinen guten Kopf und auch seinen Sinn für Musik
geerbt hatte, und wenn sie auch selbst kein Instrument spielte, lag es
doch in ihrem ganzen Wesen, denn sie war leicht und fröhlich in
ihrer Art zu sprechen, im Singen, im Gang, im Tanz, und sie hatte wie
das ganze Geschlecht, eine eigentümlich biegsame Stimme. Da
kehrte von langen Reisen ein junger Bursch zurück, der der dritte
Sohn des alten Familiensitzes Tingvold war. Zwei Brüder, beide
älter als er, waren bei der Überschwemmung ertrunken, und
nun sollte er den Hof haben. Er traf Aslaug auf einer großen
Hochzeit und verliebte sich in sie. In jener Zeit war es noch etwas
ganz Unerhörtes, daß der Sohn eines Hofbesitzers aus so
großem, altem Geschlecht um ein Mädchen von Aslaugs Stand
und Verhältnissen werben konnte. Aber dieser Bursch war lange


-10     пред. Страница 1 из 85 след.     +10