Bürgerziel - Carl Albrecht Bernoulli - Страница 1 из 245


  Roman von Carl Albrecht Bernoulli  
  1922
Verlag von Huber & Co. in Frauenfeld  
  ›Burgernziel‹ hieß im alten Bern die
Grenzlinie des Stadtbannes, über die hinaus regierende
Geschlechter sich nicht ansiedeln durften, – heute nennt sich
noch ein Pünktchen im Stadtplan so. Aber dem Staatsanwalt
Bernhard Ysenschmied schälte sich eines Tages aus der
abgeschliffenen Ortsbezeichnung der altmodische Name in anschaulichem
Sinne heraus und rückte mit leuchtender Figürlichkeit in die
himmlische Stellung eines Sternbildes empor. Er äußerte
sich gelegentlich in seiner verhaltenen, unauffälligen Art: so
geistvoll und gemütlich es sich früher habe leben lassen, er
sei froh, keiner seiner Vorfahren gewesen zu sein. Denn weit besser
als schon sie es wissen konnten, offenbare sich heutzutage, was
für Kräfte und Gaben ein Volk erhöhen. Fünf
Tage aus dem Leben dieses selbständigen und ehrenwerten Mannes,
eingewoben in das öffentliche Treiben der letzten Jahre, werden
an uns vorüberziehen.     Erster
Tag. Im Sommer 1917. I. Beim Zeitglockenturm, am Graben,
gegenüber dem Café du Marché erhebt sich ein
sandgrauer Steinbau mit abgerundetem Eckeingang. Die in seinem
Erdgeschoß betriebene Bierschenke trägt im Volksmund den
Spitznamen ›Zur Blausäure‹. Dort saßen
angesehene, stadtbekannte Bürger beim Abendtrunke. Das mit


-10     пред. Страница 1 из 245 след.     +10