Bilder aus meinem Leben - Charitas Bischoff - Страница 1 из 530


Frühe Erinnerungen Charitas
in Eisenach Aus meiner frühesten Kindheit hebt sich ein
Ereignis ab, das sich mir, trotz der langen Jahre, die dazwischen
liegen, in seinen einzelnen Zügen unverwischbar eingeprägt
hat. Ich war drei Jahre alt, da lief ich durch alle Räume unserer
Wohnung, ich suchte meine Mutter. Es war gar niemand in den Zimmern,
diese ungewohnte Leere machte mich bange, und ich ging suchend in die
Wohnung der Großeltern, die mit in demselben Hause war. Die
Tür war nur angelehnt, ich stieß sie auf, aber ich
erschrak, ich stand vor etwas ganz Wunderbarem. – Gerade vor mir
war ein hoher Aufbau, der ganz mit Blumen und Kränzen bedeckt
war. Kerzen brannten und warfen ihren ruhigen Schein auf etwas
Weißes, Helles. Undeutlich sah ich ein stilles, blasses Gesicht.
Hier standen unter vielen, vielen Leuten auch Vater und Mutter. Am
oberen Ende sah ich einen Mann allein stehen, der Mann sah anders aus
als die andern Leute, durch sein langes, fremdartiges, schwarzes
Gewand flößte er mir Furcht ein, aber als mein Blick wieder
auf die vielen schönen Blumen fiel, da griff ich mit lautem
Jauchzen in die bunte Fülle und riß einen Kranz mit
schöner, weißer Schleife herunter. Niemand hatte mich bis
dahin bemerkt, da die Blicke aller auf das obere Ende des Aufbaus
gerichtet waren, erst jetzt, als ich mich durch meine Freude bemerkbar
machte, drehten sich alle mit unwilligen Blicken zu mir, und die


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