Baron Hüpfenstich - Clemens Brentano - Страница 1 из 33


ehrlichen Lande regierte der König Haltewort, ein sehr guter,
aber noch viel strengerer Herr, dann und wann auch sehr grob. Er hatte
sehr viel zu tun, denn er hielt Wort, und seine Vorfahren waren so
vielversprechende Herrn gewesen, daß er alle Hände voll
hatte, für sie Wort zu halten, besonders da einer manchmal das
Gegenteil vom andern versprochen hatte. Aber das machte ihn nicht irr.
Er hielt immer recht wacker zu Wort. Sonst kümmerte er sich um
nichts und war gar nicht neugierig; denn er fürchtete immer, er
möchte ein neues Versprechen erfahren, das er halten müsse,
und das wäre ihm fatal gewesen. Er lebte sehr friedlich in seinem
Lande und hatte mit allen Königen der Welt einen Frieden
geschlossen, welcher in den Worten bestand: »Tue mir nichts, ich
tue dir auch nichts.« Dieser gute König hatte eine
Tochter, die sehr neugierig war und überall mit ihrem
Näschen vornedran sein mußte. Sie war so neugierig gewesen,
zu wissen, wie es auf der Welt aussähe, daß ihre Mutter ihr
noch gar die Wiege nicht zurechtgemacht hatte, als das Kind schon vom
Himmel herab der Frau Mutter entgegenhüpfte, worüber die
gute Königin, die gern alles in der Ordnung hatte, vor Schrecken
starb, indem sie ihr Töchterlein ans Herz drückte und
sprach: »Mein Kind will wissen, wie es auf der Welt aussieht,
drum muß ich sehen, wie es im Himmel aussieht. Möge die
Woche, um die du mir zu früh gekommen bist, dir einstens treue


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