Das Märchen von dem Myrtenfräulein - Clemens Brentano - Страница 1 из 17


Myrtenfräulein Im sandigen Lande, wo nicht viel Grünes
wächst, wohnten einige Meilen von der prozellanenen Hauptstadt,
wo der Prinz Wetschwuth residierte, ein Töpfer und seine Frau
mitten auf ihrem Tonfeld neben ihrem Töpferofen, beide ohne
Kinder, einsam und allein. Das Land war ringsum so flach wie ein See,
kein Baum und Busch war zu sehen, und es war gar betrübt und
langweilig. Täglich beteten die guten Leute zum Himmel, er
möge ihnen doch ein Kind bescheren, damit sie eine Unterhaltung
hätten, aber der Himmel erhörte ihre Wünsche nicht. Der
Töpfer verzierte alle seine Gefäße mit schönen
Engelsköpfen, und die Töpferin träumte alle Nacht von
grünen Wiesen und anmutigen Gebüschen und Bäumen, bei
welchen Kinder spielten; denn wonach das Herz sich sehnt, das hat man
immer vor Augen. Einstens hatte der Töpfer seiner Frau zwei
schöne Werke auf ihrem Geburtstag verfertigt, eine
wunderschöne Wiege von dem weißesten Ton, ganz mit goldenen
Engelsköpfen und Rosen verziert, und ein großes
Gartengefäß von rotem Ton, rings mit bunten Schmetterlingen
und Blumen bemalt. Sie machte sich ein Bettchen in die Wiege und
füllte das Gartengefäß mit der besten Erde, die sie
selbst stundenweit in ihrer Schürze dazu herbeitrug, und so
stellte sie die beiden Geschenke neben ihre Schlafstelle, in
beständiger Hoffnung, der Himmel werde ihr ihre Bitte
gewähren; und so betete sie auch einst abends von ganzer Seele:


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