Der arme Raimondin - Clemens Brentano - Страница 1 из 31


als der große Revolutionskrieg in den Niederlanden eine für
die deutschen Waffen günstigere Wendung zu nehmen schien, als
eines Abends der würdige alte Rochus, ein Priester aus
Aquiscinet, nach einem kleinen Walde ging, in welchem an diesem Tage
die zu weit vorausgeschickte Vorwacht der Franzosen von einem
Hinterhalte französischer Emigranten überfallen und nach
starkem Widerstande teils getötet, teils gefangen worden war. Der
Pater Rochus tat diesen Gang nach Anweisung eines Zettels, der ihm von
einem französischen Offizier der siegenden Partei durch einen
Bauern gebracht worden war und dessen Inhalt in folgenden Worten
bestand: »Euer Hochwürden werden von einem Soldaten,
der Ihnen vor einigen Tagen unter vielen andern beichtete und mit
Gottes Gnade Ihre Ermahnungen zur Menschlichkeit in seinem ernsten
Beruf nie wieder vergessen wird, dringend aufgefordert, heute abend
noch in dem Wäldchen, wo wir heute das Gefecht bestanden, einen
jungen feindlichen Soldaten aufsuchen zu lassen. Ich habe ihn
verwundet in dem Gehölz links der Heerstraße einige hundert
Schritte von der überschwemmten Torfgrube sinken sehen. Seine
Gegenwehr war so verzweifelt, daß er mir die höchste
Achtung einflößte, ich bot ihm vergebens die ehrenvollste
Gefangenschaft an, endlich streckte ihn ein Schuß aus meinem
Haufen nieder, welcher schon im Abzug begriffen war. Ich konnte nichts
für ihn tun als ihn bei den Meinigen für tot angeben und ihn


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