Der Sturm-Heidhof - Emily Brontë - Страница 1 из 472


künstlerische Persönlichkeit ist eng mit ihrer Heimaterde
– mit dem Rahmen, den das Leben ihrer Jugend gab –
verknüpft und mit den Ereignissen, die diese Jugend füllten
– und ihr Leben war kaum mehr als eine Jugend. Ich will daher
von ihrer Jugend sprechen, damit man ihr Dichten verstehen lerne.
Ellis Bell – oder sagen wir besser Emily Bronte, denn dies war
des Mädchens wahrer Name, wurde 1817 oder 1818 als Tochter eines
Geistlichen, des Reverend Patrick Bronte, in Thornton bei Bradford
(Nord-England) geboren. Als sie etwa im dritten Lebensjahre stand,
siedelte ihr Vater nach Haworth über, und kurze Zeit danach starb
ihre Mutter. Die sechs Kinder – fünf Mädchen und ein
Knabe – waren nun ganz sich selbst überlassen – in
dem einsamen Pfarrhaus zur Seite des Kirchhofs, hinter dem sich kahl,
in endlosen Hügelwellen, die stumme Heide breitete. Der
kränkliche Pfarrer war reizbar und grüblerisch und
exzentrisch in Denken und Tun. Auch die Dienerschaft war alt: bizarre,
grobe, mürrische Menschen; sie schienen wie eine Personifikation
der sie umgebenden Natur: seltsam, kraftvoll und schweigend. Die
Kinder hatten nur einander, keins hatte einen gleichaltrigen
Gefährten, und die kleinen Seelen, die nach Freude, nach Ereignis
suchten, schufen sich eine ideale Welt. Ihre unerzogene Phantasie, aus
dem Blute des Vaters geboren, vom Wesen der Heimaterde genährt,
erbaute diese Welt in bunter Schaurigkeit und bevölkerte sie mit


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