Der gestohlene Mond - Ernst Barlach - Страница 1 из 354


besondere Sache frisch erlebt, so tut man dies zunächst leicht in
Unterschätzung ihrer Bedeutung. Man macht nicht immer ein langes
Gesicht, vielleicht sieht man sie nur mit behäbigem Ernst an.
Leute von gewisser Art machen sich ein Geschäft daraus, sie
leichthin wie eine Nebensächlichkeit aufzunehmen, spüren am
nächsten oder übernächsten Tage eine Abspannung und
merken bald, daß die anscheinende Leichtigkeit eine
Überspanntheit war, die sie einer Fedrigkeit ihres Gemüts
verdankten, die aber einer längeren Prüfung nicht gewachsen
ist, die sich abnutzt und versagt. Das Besondere nun, das in der
genannten Art in Waus Gemüt empfangen und von Waus Gemüt
ausgestanden und, kaum Lust oder Unlust zuführend, durchlebt
wurde, war Wahls Feindschaft, und als das Ende dieser Feindschaft
ergab sich das Lob der Feindschaft und des Feindseins, die bestanden
und weiterbestehen sollten, aber mit dem Lob ihres Bestandes behaftet
aus dem niederen Kreis der Feindschaft in den höheren der
Notwendigkeit gehoben wurden. Keine Uneinigkeit konnte verhindern,
daß ihrer beider Einigkeit völlig war, und wenn es keine
irdischen und menschlichen Leiden gab, die Wau von Wahl nicht erfuhr,
so war es doch die urerschaffene Lauterkeit selbst, die alles
zubereitete und vollzog und die der Geist der reinsten
Wohlbeschaffenheit, am Grunde aller Dinge liegend, beschloß und
erwog. Daß Feindschaft sich mit den gefälligsten Formen und


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