Der Persische Dekameron - Franz Blei - Страница 1 из 106


Copyright by Verlag für Kulturforschung Vienna
1927   Druck von L. Beck & Sohn, Wien,
VII.
Einleitung Eine Legende
läßt die Geburt der persischen Lyrik – Wort, Rhythmus
und Reim – aus dem Echo entstehen, das zum Anlaß die Worte
der Liebe hat, welche der König Behram Gor seiner Geliebten Dil
Aram und diese ihm auf die Lippen flüstert in der Umarmung. Singt
die afghanische Lyrik die tolle Freude des Besitzes der Geliebten,
sehnt sich die arabische nach der fernen Geliebten, so ist es der
Charakter der persischen Liebeslyrik, zu verweilen, zu kontemplieren,
in Ruhe zu genießen, sich zu wiegen. Das »Italienisch des
Orients« hat man das süßklingende, sonore Persisch
genannt, dessen Gedicht eine anmutig träumende Karesse ist. Es
vermeidet, Gegensätzliches aufzurufen, so sehr, daß der
Gegensatz sogar dem persischen Theater fehlt: es ist ganz lyrisch und
bar jeden dramatischen Interesses. Nur auf solchem kontemplativen
Boden konnte die mystische Dichtung der Sufis möglich werden. Die
Gefahr aber solchen Verhaltens hat die persische Lyrik nicht vermeiden
können: sie wurde konventionell und weist nach dem 14.
Jahrhundert keine Namen mehr auf, nachdem sie Firdusi, Omar den
Teppichweber, Amic, Ferid-ud-din Attar, Saâdi, Hafis und Djami
in den Tempel ihres unvergänglichen Ruhmes gestellt hat.


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