Formen der Liebe - Franz Blei - Страница 1 из 286


eine Darstellung der Probleme des Erotischen zu geben, lag nicht in
der Absicht des Verfassers. Wer die wissenschaftlich geordneten
Tatsachen des menschlichen Sexuallebens studieren will, der wird eine
vortreffliche Literatur darüber vorfinden. Das Thema dieses
Buches ist also nicht das Geschlechtsleben des Menschen in seinen
physiologischen Rapporten, wenn auch, gewissermaßen als
Stichprobe, darauf Bezug genommen wird. Denn so luftzart sich auch
manche erotischen Bildungen darstellen, bleiben sie oder sind sie doch
erdgebunden und vollziehen sich nicht im luftleeren blutleeren Raum.
Das nicht zu erschöpfende Thema des Buches ist die Phantasie,
welche das menschliche Individuum, zeit- und gruppenbestimmt, zur
Erhaltung oder Steigerung seines Lustgefühls aufbringt, diese
Lustgefühle über den Tod hinaus zu verewigen. Die
nichts als physiologische Tatsache der Lustgefühle erhält
die Art und nichts weiter. Sie führt zu den stagnierenden Formen
des Tierlebens. Mangel an der diesbezüglichen Phantasie macht das
Liebes- und Kulturleben echt primitiver Völker so einfach wie das
der Tiere, deren Verhalten auf die Einform der Gattung gerichtet
ist, nicht auf die Varietät der Individuen. Im Gegensatz zum
Menschen, der sich in Einzelehe und Einzelwirtschaft Formen geschaffen
hat, welche die Varietät begünstigen – bis zur
Bedrohung der Gattung. Das Thema dieses Versuches ist mehr als


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