Gefährliche Liebschaften, Band 1 - Franz Blei - Страница 1 из 292


aufmerksam machen zu müssen, daß wir ungeachtet des Titels
des Buches und dem, was der Sammler dieser Briefe in seiner Vorrede
darüber versichert, für die Echtheit dieser Sammlung nicht
gut stehen, und daß wir selbst gewichtige Gründe haben,
anzunehmen, daß das Ganze nur ein Roman ist. Überdies
kommt uns vor, als ob der Verfasser, der doch nach Wahrscheinlichkeit
gesucht zu haben scheint, diese recht ungeschickt durch die Zeit
zerstört hat, in die er die erzählten Ereignisse setzt.
Einige der handelnden Personen sind in der Tat so sittenlos und
verderbt, daß sie unmöglich in unserm Jahrhundert gelebt
haben können, in diesem unsern Jahrhundert der Philosophie und
Aufklärung, die alle Männer, wie man weiß, so
ehrenhaft und alle Frauen so bescheiden und sittsam gemacht hat.
Beruhen die in diesem Buche erzählten Begebenheiten wirklich auf
Wahrheit, so ist es unsere Meinung, daß sie nur anderswo oder
anderswann sich begeben haben können, und wir tadeln sehr den
Autor, der sichtlich von der Hoffnung, mehr zu interessieren,
verlockt, sie in seine Zeit und sein Land zu verlegen, und unter
unserer Tracht und in unsern Gebräuchen Sittenbilder zu zeichnen
wagte, die uns durchaus fremd sind. Wenigstens wollen wir, soweit
es in unserer Macht liegt, den allzu leichtgläubigen Leser vor
jeder Überraschung bewahren und werden uns dabei auf eine Logik
stützen, die wir dem Leser als sehr überzeugend und


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