Gefährliche Liebschaften, Band 2 - Franz Blei - Страница 1 из 291


Valmont. Ich wünsche, mein Herr, dieser Brief möge
Ihnen keinen Schmerz bereiten, oder, wenn er es doch tun sollte,
dieser Schmerz dann wenigstens gelindert werde durch den, den ich
empfinde, während ich Ihnen schreibe. Sie werden mich jetzt zur
Genüge kennen, um zu wissen, daß es nicht in meiner Absicht
liegt, Sie zu kränken. Aber auch Sie möchten mich doch auch
nicht in ewige Verzweiflung stürzen. Ich beschwöre Sie also,
im Namen der zärtlichen Freundschaft, die ich Ihnen versprochen
habe, im Namen der vielleicht stärkeren, aber sicher nicht
aufrichtigeren Gefühle, die Sie für mich haben –
vermeiden wir es, uns zu sehen; reisen Sie ab; und bis dahin lassen
Sie uns alle diese gefährlichen Unterhaltungen unter vier Augen
meiden, bei denen ich durch eine mir unbegreifliche Macht Ihnen nie
sagen kann, was ich will, sondern nur die ganze Zeit darauf höre,
was ich nicht hören sollte. Gestern noch, als Sie mich im
Parke einholten, hatte ich wirklich keinen anderen Zweck, als Ihnen zu
sagen, was ich jetzt – schreibe, und was habe ich getan? Mich
mit Ihrer Liebe beschäftigt – mit Ihrer Liebe, die ich nie
erwidern darf! Barmherzigkeit! Meiden Sie mich. Glauben Sie ja nicht,
daß meine Abwesenheit meine Gefühle für Sie
schwächen könnte; wie sollte ich sie besiegen, wenn ich den
Mut nicht mehr habe, gegen sie zu kämpfen? Sie sehen, ich sage
Ihnen alles, denn ich fürchte mich weniger davor, meine


-10     пред. Страница 1 из 291 след.     +10