Himmlische und irdische Liebe in Frauenschicksalen - Franz Blei - Страница 1 из 297


Frauenschicksalen Berlin 1928 Ernst Rowohlt Verlag
    Für Sibylla von Lieben
   
Als Vorwort: Drei Briefe
Helena an Menelaus Es ist im siebenten Jahre Eurer großen
Männer-Narrheit, mein lieber Mann und König, daß ich
Dir dieses Schreiben durch einen heimlichen Boten von weither ins
Lager vor Troja schicke, wahrhaftig von viel weiter her als Ihr
vielleicht denken möget. Aber ich muß um Deiner und Deiner
Kampfgenossen Vernunft willen wohl annehmen, daß sie den
Anlaß ihres großen Zuges und Kampfes in all der langen
Zeit von sieben Jahren völlig vergessen haben: nämlich meine
unbedeutende kleine Person. Zu Beginn – weißt Du, als Ihr
Eure Schiffe an den Strand zoget und weithin Euer Lager um die Mauer
errichtetet – da machte mich solcher Anblick stolz, und
daß die Besten des griechischen Volkes mit Dir ausgezogen waren,
mich wiederzuholen, das ließ ich den jungen Prinzen Paris,
meinen Entführer, ja nicht schlecht spüren in direkter Rede
und allerlei Anspielung. Und der arme, hübsche Junge tat ja auch
alles, um sich auf der Höhe Eurer bedeutenden Anstrengungen zu
behaupten. Es war wirklich nicht sehr lustig in Sparta für
eine junge Frau von meiner Art. Die eifersüchtigen
Nebenbuhlerinnen wollten mir da gar nicht wohl, weil ich immer die
neuste Mode aus Athen bezog, während sie darin immer um


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