Landfahrer und Abenteurer - Franz Blei - Страница 1 из 175


München 1913 bei Georg Müller Copyright 1913 by Georg
Müller in München
Einleitung Geschichte nennt man Geschichten,
denen der Erzähler einen Sinn gibt: Veritas in verbo, non in re
consistit, sagt Thomas Hobbes, im Worte, nicht in der Sache liegt die
Wahrheit. Was der Einzelne aus dem Material des Lebens macht, das erst
ist Leben. Damit aus dem Kloss Erde ein Mensch würde, nahm Gott
der Herr ein Rohr und blies ihm Seinen Odem ein. So tut der Dichter.
Das ist seine Gottähnlichkeit. Er ruft die Menschen bei ihren
Namen auf, die sie ohne seine nennende Stimme nicht wissen. Er ordnet
das Chaos. Das ist sein Sinn. Er trägt ein Bild der harmonischen
Welt in sich, wie eine Tafel, wie einen Plan, wonach sie sich
zurechtzufinden. Er ordnet aus der Einheit seiner Person, die ihm
aufgetragen ist, die Vielheit: er schafft nach seinem Ebenbilde. Er
stellt aus jedem Menschenleben das Symbol dieses Lebens in die Welt
wie Richtmarken und Wegzeichen durch das Verschlungene. Die Menschen
sind an dem zu erkennen, was die Dichter über sie aussagen. Keine
Definition ist genauer. Ich erzähle hier ein paar
Lebensläufe, sonderbar scheinend, doch einfach im Grunde, denn
sie sind Ausdruck von Leidenschaften, allen gemein, hier nur in einem
beherrschenden Masse. Dadurch auffallend, aber nicht
unverständlich fremdartig. Ja, es ist das Auffallende dieser


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