Liebesgeschichten des Orients - Franz Blei - Страница 1 из 99


einem Vorwort
von Franz Blei Paul Steegemann Verlag Hannover
Alle Rechte vorbehalten. Viertes bis achtes Tausend.
Gedruckt bei Julius Klinkhardt in Leipzig 1923.
Franz Blei / Vorwort Die
Literaturen des Orients haben drei verschiedene Quellgebiete, aus
denen sie ihre Inspiration holen oder holten, besser gesagt, denn die
Quellen sind seit langem verschüttet. Erschöpft ist die
althebräische Quelle, nachdem sie die Literaturen Vorderasiens
gespeist hat bis an die Südostspitze Arabiens und bis an das
afghanische Bergland. Erschöpft ist die Quelle des Sanskrit. Und
der dritte originäre Kreis, China, dem der ganze asiatische Osten
seine literarische Eingebung dankt, ist steril geworden.
Frühesten Einfluß auf europäische Inspiration gewann
das örtlich nächste: die althebräische Literatur in
ihren erzählenden weltlichen Gebilden, z. B. der wollüstigen
Erzählung Ruth oder dem Hirtenlied von der Sulamith. Die
erzählende griechische Prosadichtung wird diese hebräischen
Gebilde gekannt haben. Zeitlich später begann das örtlich
fernere Indien auf Europäisches zu wirken: ein großer Teil
dessen, was wir seit den Gesta Romanorum an Märchen
und Erzählungen, zumal erotischen Charakters, in den frühern
europäischen Literaturen besitzen, z. B. der altitalienischen,
der altfranzösischen Novellistik, stammt aus indischem Urgut.


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