Die belohnte Wohlthat - Franz Xaver Bronner - Страница 1 из 5


Wittwe geworden. Auf ihren Wangen blühte zwar noch der Gesundheit
Roth, und auf ihrem Antlitz fast jugendliche Reize. Aber keiner der
Jünglinge mochte sie freien; denn sie war arm. Da kam sie zu
Kerias, dem reichen Fischer, »Ich habe sieben Kinder,«
sagte sie traurig, »sie sind noch klein, und ich kann ihnen
nicht Brod genug schaffen. Aber dir hat der Himmel Reichthum
bescheeret, guter Mann! ... Habe doch Mitleid mit armen hungernden
Kindern, und mit einer armen hilflosen Mutter! Nimm ein paar Knaben zu
dir, und lehre sie den Hamen und die Netze gebrauchen, daß sie
im Alter einst ihre Nahrung gewinnen mögen, und dir tausendfach
danken! O! nimm sie zu dir, sei ihr Vater, und nähre sie!«
So bat sie, und eine Zähre glänzte in ihrem Auge.
Stillschweigend stand sie da, und sah dem Fischer so sehnlich ins
Antlitz, so sehnlich, daß ihr Blick ihm tief in die Seele drang.
»Du bist eine gute Mutter,« sprach er mit
freundlicher Miene, »sei getrost! Morgen werde ich deine
Hütte besuchen, und mir die Knaben wählen, die ich
künftig ernähren will. Hier hast du ein Körbchen voll
Wasserbirnen, hier Brod! Nun esset euch satt, meine Lieben!« Und
er gab ihr ein Körbchen voll Wasserbirnen und Waizenbrod. Unter
Thränen der Freude schluchzte ihm Thebe ihren Dank, und eilte
nach Hause, den sehnlich wartenden Kindern Speise zu reichen. Wie
naschten da die schmachtenden Kleinen im frischen Obste! wie assen sie


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