Decameron - Giovanni Boccaccio - Страница 1 из 317


Chapelet täuscht einen frommen Pater durch eine falsche Beichte
und stirbt. Trotz des schlechten Lebenswandels, den er geführt,
kommt er nach seinem Tode in den Ruf der Heiligkeit und wird Sankt
Chapelet genannt. Es ziemt sich, ihr liebwerten Damen, ein jedes
Ding, das der Mensch unternimmt, mit dem heiligen und wunderbaren
Namen dessen zu beginnen, der alle Dinge geschaffen hat. Darum denke
ich denn, der ich als erster bei unseren Erzählungen den Anfang
machen soll, mit einer jener wunderbaren Fügungen zu beginnen,
deren Kunde unser Vertrauen auf ihn als den Unwandelbaren
bestärken und uns lehren wird, seinen Namen immerdar zu preisen.
Es ist offenbar, daß die weltlichen Dinge insgesamt
vergänglich und sterblich sowie nach innen und nach außen
reich an Leiden, Qual und Mühe sind und unzähligen Gefahren
unterliegen, welchen wir, die wir mitten unter ihnen leben und selbst
ein Teil von ihnen sind, weder widerstehen noch uns ihrer erwehren
könnten, wenn uns Gottes besondere Gnade nicht die nötige
Kraft und Fürsorge verliehe. Was diese Gnade anbetrifft, so haben
wir uns keineswegs einzubilden, daß sie um irgendeines
Verdienstes willen, das wir hätten, über uns komme, vielmehr
geht sie nur von seiner eigenen Huld aus und wird den Bitten derer
gewährt, die einst wie wir sterblich waren, jetzt aber, weil sie
während ihres Erdenwallens seinem Willen folgten, mit ihm im
Himmel der ewigen Seligkeit teilhaftig sind. An sie, als an


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