Das Haus zur Flamm' - Helene Böhlau - Страница 1 из 294


(Frau al Raschid Bey)     Egon
Fleischel & Co. (Berlin)
[1907]     Aus Mottens
Tagebuch. Mein Nest! Meine schimmernde Muschelschale!
Draußen liegt die Frühlingsregennacht wie ein großes
dunkles Meer. Ich höre ferne Harmonie. – Klavierspiel.
– Irgendwo, auch in einer Muschelschale, die im Grund der alten
Nacht liegt, regt sich Leben. Es ist schon spät. Das dunkle
feuchte Frühlingsnachtmeer, das sich über alles Lebendige
goß, hat noch nicht jedes Bewußtsein eingeschläfert.
Das meine ist noch so bewegt. Nur die tiefbewegten Herzen, die sich
von großer Liebe und großem Schmerz nicht trennen
können, wachen jetzt. Ja, was zu dieser Stunde lebendig ist,
ist ganz lebendig – nicht einzuschläfern. Herr, du mein
Gott, laß diese Lebendigen Glück und Leid nicht zu tief
empfinden! 2 Ach, alles hier auf Erden muß einst vergessen
werden. Ein alter, alter Spruch. Alles muß auch jede Nacht aufs
neue vergessen werden. Nur so ist's möglich, die großen
Bewegungen der Seele zu ertragen. Ich aber fühle mich noch so
wohlauf und ging soeben in meinem Zimmer auf und nieder, so leicht, so
beflügelt. Es grenzt fast an Schmerz dies Wohlbefinden. Der
Raum, in dem ich auf und nieder wandle, weil meine wache Seele mich
nicht ruhen läßt, ist mir so nah verwandt. – Wie
alles heute zu mir spricht! Ja, es ist das Wachsein der Seele, das
mir, was ich schaue, so begreiflich macht. – Wie wundervoll


-10     пред. Страница 1 из 294 след.     +10