Die alten Leutchen - Helene Böhlau - Страница 1 из 95


altmodischen Haus, das längst nicht mehr steht, über einem
Warengewölbe ein unscheinbares, blaues, verblichenes Ladenschild,
darauf stand in schnörkelhafter Schrift:
»Spezereiwaren-Handlung von Balduin Häberlein.« Das
Lädchen hatte ein gedrücktes Bogenfenster, in dem die
Herrlichkeiten, die feilgeboten wurden, auslagen, und vor dem Fenster
war ein Brett angebracht, um mancherlei Lockspeise den Leuten vor die
Nase zu setzen. Da prangte, je nach den Jahreszeiten, ein
Körbchen zarten Gartensalates, ein appetitlich aufgeschnittener
Käse, der unter seiner blanken Glasglocke einen gar erfreulichen
Anblick bot; da lag ein starrer, feister Fisch, so recht der
Länge nach; da stand ein hübsch Gerichtlein zarter
Rüben, und gab es etwa nichts anderes des Frostes wegen, so
hockten nebeneinander auf dem Brett weiße Leinwandsäcke
voll Backobst, auserlesener Wachsbohnen und Erbsen. Es hatte alles ein
solides Ansehen. Und das alte Gewölbe schien in gutem Rufe zu
stehen, denn den Nachbarsleuten, die auf das Hin und Her vor den
Fenstern achteten, waren es wohlbekannte Laute, wenn das helle
Ladenglöckchen klang und wieder klang, und immer gab es für
die müßigen Seelen etwas zu beobachten, wenn sie auf das
Spezereigewölbe ihr Augenmerk richteten. Von früh bis zum
Abend ging Mägdevolk ein und aus und Hausfrauen mit wichtiger
Miene, denn es galt, durch guten Einkauf einen neuen Stein
einzufügen zum Aufbau häuslicher Gedeihlichkeit und


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