Die kleine Goethemutter - Helene Böhlau - Страница 1 из 180


Böhlau     Deutsche Verlags-Anstalt
Stuttgart
Berlin und Leipzig
[1928]     Erstes Kapitel
Handelt von einem Nest, in welchem Leben keimt Das sind keine
rechten Gärten! Die heute Lebenden mögen wohl stolz auf sie
sein, verschreiben sich Blumen und Pflanzen aller Art aus weit
berühmten Pflanzenfabriken, altmodische Blumen und ganz neu
erklügelte Blumen. Allerhand geometrische Figuren blühen
flammend auf sorgfältig gehaltenen Grasflächen. Aus
künstlich verfallenen Mauern quellen Blüten und
blühende Kräuter. Um die Häuser blüht es in
geschmackvollen Pflanzenanordnungen. Stein- und Felsengärten
gibt es, Stauden, die aus Bauerngärten stammen – alles gibt
es. Lotos haben sie und haben auch Alpenblumen, die sie aus ewiger
Einsamkeit holten und sie klug und tüchtig machten, daß sie
überall zu blühen imstande sind und heimatlose Blumen
wurden. Sie holten sich auch Religionen von überallher aus
verschollenen Vergangenheiten und Einsamkeiten und pflanzten sie,
säten sie aus auf fremden Boden und schauten, ob sich daraus
etwas machen ließe. Heimatlose Blumen – und heimatlose
Gebete und Glauben ferner Völker. Fragt einmal nach den
Gärten deutscher alter Zeiten. Ich will euch Menschen rufen, die
längst schlafen gingen, 6 deren Gärten im Zeitenstrome
versanken wie sie selbst, die sollen euch erzählen, wie es denn
eigentlich mit ihren Gärten sich verhalten hat. Ich denke an


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