Die leichtsinnige Eheliebste - Helene Böhlau - Страница 1 из 221


buckliger Mohr bringt wichtigen Personen dieser Geschichte das
Abendlicht. Etwas Köstliches kündet sich durch seinen Duft
an. Was heißt »Brings'n«? Freiherrliche Gnaden
sollten reisen. Ein jeder Turm ist gut. Der alte Baron macht den Titel
dieses Buches. Geht was über Habermast? Freiherr August von
Einsiedel lutscht Bonbons. Das alte Schloß Lumpzig wird vom
ersten Frühlingssturm und Regen und Schnee gepeitscht. An den
grauen verwitterten Mauern rüttelt es, die bleigefaßten
Fensterscheiben, die so viel Kälte eingelassen und so viel
Wärme hinausgelassen haben, klappern und rasseln. In den Kaminen
heult es, in den weiten Gängen klagt der Wind; aber die
Kaminfeuer brennen in den Wohnzimmern und rauchen. Holzscheite
krachen, knistern und sprühen. Es ist Leben in und um
Schloß Lumpzig und der Abend ist hereingebrochen. Von Wand
zu Wand in den weiten Gängen hängen an eisernen Ketten
trüb leuchtende Laternen. Seit Jahrhunderten hängen sie
schon so und brennen ihr Öllämpchen. Durch die hallenden
Gänge trippelt ein Buckel in 6 scharlachrotem Habit und spitzen
Schuhen, einer weißen Schürze, die über seine Pracht
gebunden ist. Sein dunkles altes Mohrengesicht ist vom Schein der
Wachskerzen, die er in einem silbernen Armleuchter trägt,
beleuchtet; fremde dunkle Augen blicken – und er spricht vor
sich hin: »Ein Swein haben sie wieder – armes Achmet
– ein Adèle – wo so gutt is – wo Achmet so


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