Ein Sommerbuch - Helene Böhlau - Страница 1 из 263


von Helene Böhlau
Regine die Köchin Die Mutter muß sich eine Alte
nehmen, eine Alte muß sie sich nehmen, – nein –
darauf besteh' ich! Die Frau Mutter ist zu leichtsinnig.« Das
sagte unser Vater, ehe Regine ins Haus kam. »Aber
Hermann,« antwortete unsere Großmutter und schaute mit
ihrem weichen, vom Häubchen eingerahmten Altfrauengesicht ganz
betroffen von ihrem Suppenteller auf. Sie aß bei uns, wie immer
die Woche zweimal; wann dies geschehen sollte, mußte jedesmal
feierlich die Frau Legationsrätin, vulgo Legatse, die eine Etage
höher wohnte, eingeladen werden. Aber gerade jetzt zur Zeit war
sie gezwungen, unten bei uns zu essen, denn sie hatte keine
Köchin. Von unserer Großmutter Köchin sprach man
im Hause auf eine geheimnisvolle Weise, fast ohne Worte, und verstand
doch viel zu sagen. Wir Halbwüchsigen waren aber
unterrichtet. Wir wußten, Großmutters Köchin hatte
ein Kind bekommen. Weshalb man das nicht ganz einfach sagte, sondern
schwieg, geheimnisvoll flüsterte? Es kam uns dies ganz
lächerlich vor. Kinder hat ja die ganze Welt. Wir
verständigten uns untereinander darüber und waren
großmütig genug, den Erwachsenen in ihre Sonderbarkeit
nicht hineinzureden. »Also, Frau Mutter, ich bestehe
entschieden darauf, du nimmst dir eine Alte. – Es ist dies das
zweite, wenn nicht das dritte Mal, daß bei euch oben, ...
nein... nein ... das geht nicht – bei deinem Leichtsinn, Frau


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