Halbtier! - Helene Böhlau - Страница 1 из 199


Raschid Bey) Vierte Auflage    
Berlin W
F. Fontane & Co.
1902     Frau Anna Spier
gewidmet     1. Fernes
Gewittergrollen verliert sich im lauten Treiben des Menschenstroms,
der die schwülen Straßen füllt. Über dem
ganzen überspannten, überbürdeten Menschentum lastet
die große Sonnenhitze und die Enge der Gassen, die Höhe der
Häuser. All diese Menschen sind so eingezwängt, wenn sie
's auch nicht klar wissen. Die Enge der Herzen, die Enge der
Köpfe und Gesinnungen, der Höfe und Gänge, die Enge der
Stuben, der ganze Brodel in dem sie leben, alles lastet und
drückt und macht sie stöhnen und stimmt sie unbewußt
sehnsuchtsvoll, unbewußt unzufrieden. 2 Da kam der erste
große, freie Donnerschlag. Oho! Darauf ein
verdächtiges Schauerlüftchen, das den fettigen, feuchten
Straßengesichtern den Staub entgegenbläst. Alles
wirbelt. Das, was einst lebte und nun als ekler Staub geduldig
liegt, beginnt zu tanzen – tanzt und fährt den Lebenden
widrig in die Augen und bedrängt sie. Es kommt ein Hasten in die
stumpfsinnige Menge, so ein gesundes natürliches Hasten, das der
Herdentiere. Wie sie laufen, als ob sie aus Zucker wären und
die schweren frischen Regentropfen an ihnen lecken und auflösen
würden. Und wie wohl thun diese schweren Tropfen! Auf den
glutheißen Steinen geben sie dunkle, thalergroße Flecken


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