In frischem Wasser - Helene Böhlau - Страница 1 из 317


    Kulturelle Verlagsgesellschaft
Berlin
[1932]     Erstes Kapitel.
Ein umständlicher Anfang. – Verkäufliche und
unverkäufliche Bilder. – Personen werden genannt, und man
ist mit ihnen wenig zufrieden. Eine große
Gemäldeausstellung in der Reichshauptstadt. In einem
schmucklosen Gebäude, auf ödem Platze, Saal an Saal,
hängen dichtgedrängt die Werke von Künstlern aus aller
Herren Ländern. Seit kurzer Zeit erst ist die Ausstellung
eröffnet, und bei unerfreulich regnerischem Wetter strömt
allerlei Volk ein und aus; Kunstkenner, Enthusiasten und harmlos
Neugierige. Lange Droschkenreihen stehen vor dem Tore, und lange
Droschkenreihen fahren an und ab. Den trübseligen Pferden
läuft das Wasser aus den Flanelldecken, die über sie
gebreitet sind, und den Kutschern sickert es in die weiten blauen
Mäntel ein. Alles ist regenglänzend und tropfend. Die
Besucher, die von draußen in das Reich der Kunst eintreten,
schütteln die Nässe, so gut es geht, von Schirm und
Kleidern, und die nach vollendetem Genuß wieder herauskommen,
sehen verdutzt drein; in ihren Köpfen wirbelt es von Effekten von
Mondlandschaften, Sonnenglut, Waldesinnern, traulichen Ecken,
pathetischen, farbenstrahlenden Vorgängen, von allerlei
Familienszenen unter Dach und Fach, als Mutterliebe, des Kindes erster
Schritt, Hochzeitsmorgen, Hochzeitsgäste, der treue Freund,


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