Verspielte Leute - Helene Böhlau - Страница 1 из 98


(Madame al Raschid Bey.) Verspielte Leute.  
  Erstes Kapitel. In einem echten, rechten
Froschteich, da lebt der Frosch in Frieden; alles lebendige Wasser ist
fern, kein Zufluß und kein Abfluß; weder bedroht ihn ein
überschwellender Strom, noch verderbliche Dürre. Da
leben die Frösche von Generation zu Generation als uralt
angesessenes Geschlecht. Ihr Teich ist ihre Welt, und so
bevölkern sie ihre Welt – und sind große, stolze,
vertrauenswürdige Leute. Ein jeder kennt den andern bis zu dessen
Urgroßvater hinauf, und so durch und durch, so ganz und gar, so
nackt und bloß, daß kein Verstellen, keine Maske, keine
Perücke ihm auch das Geringste nützen würde. Alle
Fröschlein wissen von jedem einzelnen, was er zum Beispiel als
Abcschütze für Erfolge hatte, ob ihm in frühester
Jugend die deutschen Aufsätze gelangen oder mißlangen, und
wie oft er Strippse kriegte. Nichts wird vergessen, alles, was solch
ein Fröschlein je beging oder nicht beging, ist einregistriert,
mit Strenge und Genauigkeit, die dem gewandtesten Polizeispitzel Ehre
machen würde. Jedes Fröschlein lebt unter einer Last von
Akten, die über sein Thun und Lassen geführt werden. Und
dieses Fröschlein führt wieder Akten über jedes Haus
und jedes elende 6 Fröschlein darin. Die gegenseitige
Beaufsichtigung im Froschteich ist einfach großartig. Aber
sie leben und quaken und hüpfen und lieben auch alle im stolzen
Bewußtsein dieser Aktenbündel, die sie zu führen haben


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