Amiele - Henri Beyle - Страница 1 из 228


Schurig Mit Fragmenten und Aufzeichnungen aus dem Nachlaß des
Autors Die vorliegende Ausgabe folgt unverändert der
Edition Albert Langen / Georg Müller Verlag München
1921-24. Erstes Kapitel Carville Ich finde, wir sind
ungerecht gegen die landschaftliche Schönheit der Normandie, die
uns so nahe liegt, daß wir sie von Paris aus am Abend erreichen.
Man rühmt die Schweiz; aber ihre Berge muß man mit drei
Tagen Langerweile und den Scherereien mit den Zollbeamten und
Paßämtern bezahlen. In der Normandie ist unser von der
Gradlinigkeit der Großstadt und ihren Mauern ermattetes Auge
alsbald von einem Meer von Grün umflutet. Paris entschwindet und
mit ihm das trübselige graue Flachland. Die Landstraße
schlängelt sich durch eine Reihe anmutiger Täler, zwischen
ansehnlichen Hügeln, deren bewaldete Rücken sich zuweilen
recht keck am Himmel abzeichnen. Der beengte Horizont regt die
Phantasie an: ein ungewohntes Vergnügen für den Pariser.
Und kommt man weiter, so erschaut man zur Rechten zwischen den
Bäumen, die die Felder verdecken, das Meer, – das Meer,
ohne das sich keine Landschaft wahrhaft schön nennen darf.
Wenn das Auge, das in diesem Paradiese den Reiz der Fernen entdeckt,
nach Einzelheiten sucht, so erkennt es, daß jeder
»Busch« ein mit Wällen umgebenes Stück Land ist.
Diese Dämme, von denen alle Felder gradlinig begrenzt werden,
sind mit Reihen junger Ulmen gekrönt. Solch ein


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