Die Cenci - Henri Beyle - Страница 1 из 49


Zweifel galant, doch vor allem ist er ein Mann der guten Gesellschaft.
Bevor er sich der unwiderstehlichen Leidenschaft
überläßt, die ihn zu hübschen Frauen zieht,
hält er darauf, einem bestimmten Ideal zu gleichen; er will der
Mann sein, der am Hof eines galanten und geistvollen jungen
Königs unumschränkt bewundert würde. Mozarts Don
Juan ist schon weit natürlicher und viel weniger
französisch; er denkt weniger an die Meinung der andern über
ihn, denkt nicht vor allem daran, zu scheinen, wie der Baron Foeneste
d'Aubigné sagte. Wir besitzen aus Italien nur zwei
Porträte des Don Juan, so wie er diesem schönen Lande im
sechzehnten Jahrhundert zu Beginn der wiedergeborenen Zivilisation
erschienen ist. Von diesen beiden Porträten kann ich das eine
durchaus nicht bekanntgeben, denn das Jahrhundert ist zu prüde;
man muß sich an das große Wort erinnern, das Lord Byron
unzählige Male wiederholt hat: This age of cant. Diese so
langweilige Heuchelei, die niemand täuscht, hat den ungeheuren
Vorteil, daß die Dummen etwas zu reden haben; es entrüstet
sie, daß man gewagt hat, über etwas zu sprechen; es
entrüstet sie, daß man gewagt hat, über etwas zu
lachen, usw. Der Nachteil ist, daß das Bereich der Geschichte
dadurch unendlich verengt wird. Hat der Leser den guten Geschmack,
es mir zu gestatten, so werde ich ihm in aller Bescheidenheit eine
historische Aufzeichnung über den zweiten Don Juan vorlegen, von


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